Nostalgische „Mercedes-Momente“

Wie schön waren doch die Tage: wir, die kleinen Steppkes, mit unseren Kartenquartetten in der Hand. Ein König war der von uns, der eine Trumpfkarte in der Hand hielt. Fahrzeuge vom Kaliber eines Mercedes-Benz 450 SEL 6.9 hatten die Qualität, eine solche zu sein. 286 PS, 550 NM Drehmoment, dem bis dato höchsten Drehmoment eines deutschen Pkw-Motors, 225 km/h in der Spitze und 7,4 s auf 100 km/h. Potztausend, das war ein echtes Pfund! Wer von den Mitspielern dann noch protestieren wollte, wurde schnell mit dem Argument: „Mein Sechsneuner hat auch noch eine Luftfederung!“ überzeugend geschlagen. Dann war Ruhe im Karton und der Gewinner stand fest.

Kennen Sie noch diese Bonbon-Werbung … die Bonbons mit dem leckeren Karamellgeschmack? Ja, genau die! Und jetzt schließen Sie mal für einen Moment die Augen, stellen Sie sich vor, wie Sie auf dem Schoß Ihres Großvaters sitzen und er von Tante Elisabeths Strichachter erzählt und von seinem ersten Mercedes-Benz, einem W180, mit dem die Familien ihren ersten Österreichurlaub genossen. Und irgendwann dann, als wäre nichts gewesen, fragt er mit einem vielsagenden Schmunzeln im Gesicht: „Und, mein Jung, sollen wir eine Runde Mercedes fahren (mittlerweile hatte der Großvater eine Heckflosse)?“ Was glauben Sie wohl, was da der Junge mit leuchtenden Augen dachte?

In den vergangenen Jahrzehnten hat Mercedes-Benz so manch automobiles Schmuckstück entworfen, von dem heute noch viele reden. Allerdings mit einem feinen Unterschied, dass diese kleinen Racker von damals schon längst groß sind und dennoch immer ein Kind in ihrem Herzen geblieben sind. Das schlägt nun einmal schneller, wenn plötzlich, scheinbar aus dem Nichts, eine 280SE C, eine Heckflosse, oder vielleicht sogar ein Flügeltürer um die Straßenecke biegt, oder wenn auf Schloß Bensheim zum Beispiel von Weitem ein SSK mit einem Respekt einflößenden Bariton trompetet.

Mittlerweile wurde aus dem kleinen Bub ein ausgewachsenes Mannsbild, das weiß, dass es heute etwas hat … nicht nur die Erinnerungen, sondern etwas viel Schöneres, nämlich auch einen: Es siegte das Kind in ihm und er gönnte sich erst Tante Elisabeths Strichachter und dann Großvaters Heckflosse, mit der ihn so manches Erlebnis verband, aber das haben Sie ja schon gehört, damals halt eben.

Bei all dieser emotionsgeladenen Begeisterung für die vergangenen Jahrzehnte der Automobilkultur aus Sindelfingen meldet sich nicht nur der Liebhaber, sondern auch der notorische Nörgler aus dem „Freundeskreis“ zu Wort und sagt: „Gell, Du weißt schon, dass der Kotflügel übel ausschaut, Du neue Hydraulikschläuche brauchst, bei Deinem Ponton die Gelenkwellen fällig sind?“

Wie schön sind doch die Tage: … da wir nicht allein sind. Neben Ifam (Interessengemeinschaft für alte Mercedes-Fahrzeuge), MVC (Mercedes Veteranen Club), Retro Classica, Techno Clasica und Vetrama gibt es weitere goldwerte Adressen: Gemeint sind Enthusiasten, die ihre Passion zum Beruf erklärt haben. Da gibt es eine Adresse, die genannt werden muss: der Herr Niemöller und sein Team aus Mannheim. Bereits in den 1970er Jahren begann zu wachsen, was heute für Liebhaber alter Mercedes-Benz Fahrzeuge eine institutionelle Adresse geworden ist. Das Unternehmen bietet nicht einfach nur Ersatzteile an, es produziert sie auch nach. „Haben wir nicht”, gibt es da nicht. Sie brauchen ein Rücklicht für einen Ponton? Die Firma Niemöller hat sie! Sie brauchen den Luftkanal für Ihren 190 SL? Kein Problem!

Und so schließt sich der Kreis auf harmonische Weise. Was damals schon war, ist es heute erst recht: „Ein historischer Mercedes vor Ihrer Tür und Niemöller Mercedes-Benz-Oldtimer Ersatzteile wird es schon richten.“

PS: Der anfangs beschriebene Sechsneuner hatte im Fachkreise der Steppkes einen klaren Spitznamen: Löffelmanns Jagdhund. Dies als Parole gesagt, reichte aus und jeder begriff, was die Stunde geschlagen hatte.

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